Info zur Katzenschutzverordnung

Katzenschutzverordnung – Zahlen und Fakten – der Koblenzer Katzenhilfe e.V. informiert

Kommunale Katzenschutzverordnung (KatSchutzVO) bedeutet Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierpflicht für Hauskatzen mit Auslauf (Kennzeichnung: per Mikrochip, nur sinnvoll mit gleichzeitiger Registrierung im Heimtierregister wie TASSO oder Findefix des DTB e.V.). Verantwortlich ist der Halter/die Halterin (die Person der das Tier zuordenbar ist). Ausnahmen: Zuchtkatzen ohne Auslauf

Rechtsgrundlagen:  Die UNESCO verabschiedete 1979 die Allgemeine Erklärung der Tierrechte – jedes Tier hat das Recht auf Leben, Haustiere dürfen nicht ausgesetzt werden.  Seit 2002 ist Tierschutz Staatsziel im Rahmen des Grundgesetzes. § 13b des Bundestierschutzgesetzes plus Bundestagsdrucksache BT 17/10572-32 stellt bezüglich Eindämmung der Streunerkatzen „öffentliches Interesse“ fest. Für Rheinland-Pfalz: Landesverordnung zur Übertragung der Ermächtigung (eine KatSchutzVO zu erlassen) GV Bl. 2015,17 - auf die Kommunen einschl. kreisfreier Städte. Voraussetzungen regelt Landestierschutzbeirat in „Handreichungen für die Kommunen“ (www.tierschutzbeirat-rlp-de/downloads/16-02-16-handreichungen-katzenschutzverordnung.pdf) – diese sind „ausreichende Anzahl“, „Leiden und Schäden“ an freilebenden Katzen sowie Erfolglosigkeit der bisherigen Maßnahmen der Tierschützer. Eine Datenerhebung des Landestierschutzbeirates und der Landestierärztekammer 2014/15 erbrachte diesbezüglich keine belastbaren Ergebnisse, daher wird die Initiative und Nachweispflicht jetzt den ehrenamtlich tätigen Tierschutzvereinen überlassen. Die Landesumweltministerin Frau Ulrike Höfken begrüßt 2018 bei Tagung der rheinland-pfälzischen Tierschutzverbände die Kampagne KatSchutzVO und empfiehlt den Kommunen, diese umzusetzen! In 10 Jahren wurden in RLP 60 Tierschutzvereine mit insgesamt einer halben Million Euro nur für Katzenkastrationsaktionen gefördert. (www.mueef.rlp.de/en/pressemeldungen/detail/news/detail/News/umweltministerin-hoefken-wirbt-fuer-katzenschutzverordnung.com).

Das „Pellenzer Fundkatzenurteil“ AZ 2KI533/17.KO Verwaltungsgericht Koblenz stellt eindeutig die Zuständigkeit der Kommunen bezüglich der Kostenübernahme für die Versorgung (auch tierärztlich!) von Fundkatzen fest, sofern kein Halter festgestellt werden kann. Die spätere Revision beim OVG bestätigte dies unter der Voraussetzung, dass Fundkatzen umgehend der Kommune als solche gemeldet werden.

Gegner der Kampagne führen teilweise das Argument ins Feld, eine verordnete Kastration des Haustieres Katze sei ein Eingriff in das Eigentumsrecht des Halters (Haustiere werden hier „Sachen“ gleichgesetzt). Dem wird von Juristen widersprochen: hier gilt die Güterabwägung, indem das vermeidbare Leid der Tiere und das Interesse der öffentlichen Gesundheit von Menschen und anderen Tieren überwiegt.

Eine Musterverordnung für die Kommunen veröffentlicht die Landestierärztekammer RLP als „Hessisches Modell“ (Urheberin Hessische Landestierschutzbeauftragte Frau Dr. med. vet. Martin) unter www.ltk-rlp.de/sites/default/files/file/VO-Entwurf 13b RLP.pdf.

Was wurde bisher erreicht? In den beiden europäischen Nachbarländern Österreich und Belgien gibt es bereits eine landesweite Katzenschutzverordnung, in der Schweiz läuft eine engagierte Kampagne, die aber vorerst am Bundesrat scheiterte. Frankreich wählte „Flickwerk“ bislang ohne nachhaltigen Erfolg (1999 Gesetz, das die Tötung freilebender Katzen verbietet, wenn diese einen offiziellen Betreuer haben; seit 2012 allgemeine Kennzeichnungspflicht für Hauskatzen, ohne Registrierungs- und Kastrationspflicht). Erste Kommune in Deutschland mit KatSchutzVo war Paderborn 2009, damals noch als „Ordnungsbehördliche Verordnung“ (seither Paderborner Modell genannt, www.tierschutzunion.org/tierschutz-allgemein/paderborner-modell). Laut Angabe des Deutschen Tierschutzbundes sind bundesweit inzwischen aktuell 736 Gemeinden und Städte hauptsächlich in der nördlichen Hälfte Deutschlands dem Beispiel gefolgt, eine KatSchutzVO einzuführen (www.tierschutzbund.de/information/ hintergrund/heimtiere/katzen/katzenschutz).

In RLP ist lediglich bisher in den VG Brohltal und Maifeld sowie Puderbach und Bad Hönningen eine kommunale KatSchutzVO in Kraft. Die Stadt Worms wählte eine Lösung straßenweise, die aus zoologischen Gründen (GPS-dokumentierte tägliche Wanderungen von Freigängerkatzen von 5 km und mehr, Streifgebiete von bis zu 900 Hektar!) unsinnig erscheint. Bundesweit laufen seit vielen Jahren Kampagnen großer Tierschutzorganisationen für die Einführung der Katzenschutzverordnung: aktion kitty e.V., PETA, Deutscher Tierschutzbund e.V. (100.000 Unterstützerunterschriften bisher), Vier Pfoten e.V. u.a.

Tiermedizinische Grundlagen: Die Kosten für Kastration von Kater und Kätzin und das Kennzeichnen per Mikrochip sind in der Tierärztlichen Gebührenordnung GOT von 2017 festgelegt (www.m.tieraerzteverband.de/bpt/Tierbesitzer/got) einschließlich einer Sonderregelung für die Kastration freilebender Katzen im Rahmen des Tierschutzes (Unterschreitung des 1fachen Gebührensatzes zulässig). Mit Narkose, Medikamenten und Verbandsmaterial entstehen nach unserer Erfahrung bei der Katze Kosten von ca. 120 €, beim Kater ca. 80 € und für das Einsetzen des Chips ca 25 € (individuell unterschiedlich). Die Registrierung des Mikrochips ist kostenlos (bei Heimtierregistern TASSO e.V. und Findefix des DTB e.V.). Finanzierungshilfe gewährt evntl. die Tierarztpraxis und/oder der lokale Tierschutzverein (Ratenzahlung) und Aktionen des DTB e.V. (Kastrationswochen mit Kostenermäßigung bei Bedürftigkeit des Halters). - Freilebende, sich in Kolonien unkontrolliert vermehrende Hauskatzen sind letztendlich alle krank, da durchgängig von inneren und äußeren Parasiten befallen und in hohem Masse durch Populationsdruck mit hochansteckenden Viruserkrankungen durchseucht (Herpes, Calici, Corona, FPV, FLV, FIV). Dazu kommen infektiöse Hautpilzerkrankungen, Erkrankungen durch Bakterien und Einzeller, schmerzhafte Zahnschäden, unversorgte Verletzungen und Verstümmelungen, Herz- und Niereninsuffizienz, Unterernährung (Lebenserwartung maximal 4 Jahre – vom Halter gepflegte Hauskatzen: 15 Jahre), Geburtskomplikationen und hohe Welpensterblichkeit (50%) sowie Gefahren durch Tierquäler (Schussverletzungen etc.)(Quellen: Landestierärztekammer RLP, BT-Drucksache 17/10572, Kosmos Praxishandbuch Katzenkrankheiten von Dr. med. vet. M. Streicher, ISBN 978-3-440-12756-8) Freilebende Katzenkolonien speisen sich ohne Katzenschutzverordnung unentwegt aufs Neue durch entlaufene und ausgesetzte Hauskatzen, die nicht gekennzeichnet/registriert und ggf. auch unkastriert sind – tierschutzwidriger Zustand. Unbehandelt erkrankte verwahrloste halterlose Tiere verbreiten Zoonosen (Ansteckung von Menschen möglich) wie Giardien, Chlamydien, Würmer, Flöhe, Hautpilz u.a.

Der Naturschutzaspekt: Halterlose freilebende Hauskatzen (zoologisch felis silvestris f. libyca) gefährden die streng geschützte und nur entfernt verwandte europäische Wildkatze (felis silvestris) durch Nahrungskonkurrenz und unerwünschte Verpaarung (Hybriden nicht überlebensfähig). Sie müssen ihren Nahrungsbedarf durch Jagd stillen und gefährden – im Unterschied zu Freigängerhauskatzen, dies durch 40 Studien widerlegt – Wildvögel und kleine Wildtiere im Bestand. (Quelle: Dr. med. vet. Mercier, Leiterin Wildtierpflegestation Kirchwald: 2015 bis 2017 insgesamt 900 durch Katzenbisse verletzte Vögel aufgenommen). Auch der Deutsche Jagdverband fordert aus Arten- und Naturschutzgründen eine Kastrations- und Kennzeichnungs-/Registrierungspflicht für Hauskatzen mit Freigang nach dem Paderborner Modell (www.jagdverband.de/content/von-spatzen-und-katzen).

Wer profitiert von einer Katzenschutzverordnung? In erster Linie die freilebenden halterlosen Katzen (bei 13,7 Millionen als Haustiere gehaltenen Katzen in Deutschland – aktuell beliebtestes Haustier – gibt es nach Schätzungen von Wissenschaftlern des DTB e.V. ca. 2 Millionen davon in Deutschland), an denen das Tierschutzgesetz endlich umgesetzt werden muss! Für die KatzenhalterInnen (ca. 20% der Haushalte in Deutschland):

  • Entlaufene Katzen werden schneller und wirksamer wiedergefunden dank Kennzeichnung und Registrierung
  • Kastrierte Kater erleiden weniger Verletzungen durch Straßenverkehr und Katerkämpfe, werden häuslicher
  • Kastrierte Kätzinnen erkranken weniger an Dauerrolligkeit und Folgen sowie Gesäugetumoren
  • Freigängerhauskatzen stecken sich weniger an halterlosen Katzen an mit teils unheilbar tödlichen Virusinfekten (z.T. keine Impfung möglich) u.a. Infektionen u. Parasitosen
  • Hauskatzen leben dadurch länger, weniger Tierleid, weniger Sorgen und Tierarztkosten für den Halter/die Halterin.
  • Die Tiere werden häuslicher und zutraulicher, störendes Verhalten wie Geruchsmarkieren

(Kater) und Unruhe/Schreien (Katzen) entfällt.

Nutzen für die Kommunen: Kostenersparnis (Feststellung des Halters bei Fundkatzen über registrierten Mikrochip bedingt Kostenübernahme durch den Halter/die Halterin) insbesondere für die kommunal geförderten Tierheime, Vermeidung von Überbelegung. Keine zusätzlichen Personalkosten, da Ersatzvornahme durch Tierschutzvereine möglich, die wie bisher arbeiten (Einfangen, Versorgen, Rückführen oder Vermitteln der Fundkatzen). Für die Tierschutzvereine: endlich Rechtssicherheit (Betretungsrecht von Grundstücken, Recht zu kastrieren etc.) und mehr Zeit und Geld z.B. für die Betreuung schon vorhandener, freilebender und kastrierter Katzen (die nicht mehr an Menschen gewöhnt werden können) an tierschutzgerechten Futter- und Obdachstellen. Für Tierarztpraxen entfällt das Eintreiben eventueller hoher Behandlungskosten (Operationen bei Verletzungen etc.) bei Fundkatzen.

Die Situation in Koblenz: Laut kleiner anonymer Umfrage der Koblenzer Katzenhilfe e.V. unter einigen Koblenzer Bürgern in 2018 leben in den Koblenzer Stadtteilen mindestens 100 halterlose Katzen im Freien unter unwürdigen Umständen (Dunkelziffer hoch, Versorgung notdürftig durch Anwohner mit Futterspenden und Kartons o.ä als provisorischem Unterschlupf), die der Tierschutz noch nicht erreichen konnte. An Futterstellen der Koblenzer Katzenhilfe e.V. wurden 2018 zusätzlich versorgt: 23 freilebende Katzen. Zahl der von der KoKaHi e.V. aufgenommenen und versorgten Fundkatzen von 2013 bis 2018: 555, davon 299 vom Verein der Kastration zugeführt. Seit Vereinsbestehen (25 Jahre) wurden von uns 30.000 € für Kastrationen von Fundkatzen aufgewandt und jährlich im Durchschnitt 23.000 € für deren Versorgung und tierärztliche Behandlung ausgegeben. Fundkatzenanzahl des Koblenzer Tierheims im gleichen Fünf-Jahres-Zeitraum: 585. Totfunde auf Koblenzer Stadtgebiet in der gleichen Zeit (nur gemeldete!): 60 Katzen. Insgesamt wurden durch den Tierschutz in Koblenz in den fünf vergangenen Jahren 1323 Fundkatzen betreut! Bei einer Fragebogenaktion unseres Vereins bei den in Koblenz niedergelassenen Tierärzten/innen gab bereits der erste befragte Veterinär an, in seiner Praxis in fünf Jahren 100 freilebende Katzen behandelt zu haben!

Bisher erfolglose Bemühungen nachweisbar: im Sinne fehlender Nachhaltigkeit erfolglos geblieben sind nicht nur die von uns durchgeführten Kastrationen und Kastrationsaktionen des Koblenzer Tierheims, sondern auch Versuche von Aufklärung und Überzeugung der Bevölkerung bzgl. der Notwendigkeit einer freiwilligen Kastration und Kennzeichnung/Registrierung der Koblenzer Hauskatzen. Es liegt ein Bericht über unsere Vereinsarbeit für freilebende Katzen aus der Koblenzer Presse (Rheinzeitung) vor aus 2006, der damals bereits die genau gleiche Situation wie heute beschreibt (fünfzehn freilebende Katzen an einer Futterstelle eines Koblenzer Stadtteils). Von uns in den letzten fünf Jahren durchgeführte Maßnahmen: sieben weitere große Artikel in der Rheinzeitung (Quelle: RZ-Archiv), seit 2014 zehn Ausgaben unserer Vereinszeitschrift „Schängelkatze“ mit Sachartikeln zum Thema, allein im Jahr 2018 fünfzehn Öffentlichkeitsaktionen mit Infoständen, Vorträgen etc., viele Hundert Einzelgespräche bei Vermittlung von Katzen und Nachkontrolle sowie Telefonsprechstunde für KatzenhalterInnen, Vereinsflyer, Website, Facebook- und Instagram-Auftritt. Der aktuell geringe Rückgang der Zahlen aufgenommener Fundkatzen erklärt sich durch den bedauerlichen, gleichzeitigen Rückgang aktiver ehrenamtlicher HelferInnen in unserem Verein (für aufwändige Fangaktionen, Tierarztfahrten, Pflegestellen etc.). Die Situation im Koblenzer Tierheim (Träger Tierschutzverein Koblenz e.V.) stellt sich nach Auskunft des Vorsitzenden Herrn Horst Braun und der Tierheimleiterin Frau Kirstin Höfer auffallend ähnlich dar – ebenso wie die Zahlen der jeweils versorgten Fundkatzen. Auch das Koblenzer Tierheim betreibt seit Jahren intensive Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Kastrieren und Registrieren von Freigänger-Hauskatzen (Durchführung jährlicher Kastrationswochen, Plakate und Flyer, Informationsstände, Informationsgespräche mit KatzenhalterInnen, Website und Facebook-Auftritt). Auch hier ist eine Lösung des Problems immer neuer freilebender, verwahrloster Katzen in Koblenz trotz aller Bemühungen nicht zu verzeichnen. Tierschutzverein und Tierheim Koblenz unterstützen ausdrücklich unsere Kampagne, ebenso liegen uns die schriftliche Unterstützung des Landestierschutzbeirates RLP sowie der Landestierärztekammer RLP vor.

Aktualisiert: 14. 04. 2019                       Dr. med. Birgit Buchholz, Koblenzer Katzenhilfe e.V.