Mehr Katzenschutz!

von Uta Bach

Die Zahl der in Deutschland gehaltenen Hauskatzen wächst seit Jahren ständig, besonders stark im vergangenen (Corona-)Jahr 2020. Nach Untersuchungen des Industrieverbandes Heimtierbedarf beträgt sie aktuell 15,7 Millionen! Den Hund hat die Katze dabei in ihrer Beliebtheit und schieren Anzahl längst überholt. Aber wo bleibt der Katzenschutz?Noch immer scheinen Katzen „Heimtier zweiter Klasse“ zu sein. Es gibt, auch bei uns in Koblenz, schon lange eine „Tierschutz-Hundeverordnung“ und Merkblätter zur tierschutzgerechten Haltung, die man auf der website des Kreisveterinäramtes herunterladen kann. Tagespresse, Printmedien, Fernsehsendungen, Veranstaltungen...befassen sich eingehend mit dem Hund: Anschaffung, Erziehung, Gesundheit, artgerechte Beschäftigung usw.. Dabei vermisst man bisher gleiches Engagement für die Katze. Unser beständiges Mahnen als Katzenschutzverein, endlich in Koblenz eine Katzenschutzverordnung einzuführen – wozu die Landesregierung seit Jahren die rechtlichen Grundlagen geschaffen hat und dies allen Kommunen empfiehlt – scheint immer noch ungehört zu verhallen. Schildern wir unsere ehrenamtliche Arbeit, die wir seit über zwei Jahrzehnten verrichten (müssen!) um den vielen notleidenden Katzen in unserer Gegend zu helfen, scheint man uns nicht ernst zu nehmen. Ein tapferes kleines Häuflein Aktiver kämpft täglich jahrein, jahraus – unentgeltlich und in der Freizeit - um jedes kleine pelzige Leben das in unsere Obhut kommt. Wir betreuen freilebende Hauskatzen die ihr Zuhause verloren haben, an Futterstellen um sie dort mit Tierschutzfallen einfangen zu können und allesamt zum Tierarzt zu bringen. Zumindest können sie dort eine Untersuchung und Erstversorgung bekommen, z.B. gegen Flöhe und Würmer, und werden dort wenn nötig kastriert. Viele (etwa fünfzig im Jahr) müssen wir schweren Herzens wieder ins Freie entlassen – sie wurden bereits draußen geboren und haben tragischerweise nie gelernt, als Hauskatzen mit Menschen zu leben. Obwohl wir wissen: ihre Lebenserwartung beträgt maximal ein Viertel (nur drei bis vier Jahre), Krankheiten und Gefahren lauern überall für die sie als eigentliche Haustiere nicht geschaffen sind. Viele andere, die noch eine Chance haben, nehmen wir auf unsere Pflegestellen auf. Dort bei Vereinsmitgliedern zuhause können sie die intensive Zuwendung und sachkundige Pflege, manchmal rund um die Uhr, genießen die sie brauchen um wieder gesund und zahm genug zu werden, damit sie mit unserer Hilfe ein neues Zuhause finden können. Und wieder andere, etwa ein Drittel, sind sogenannte Abgabetiere: damit entlasten wir die Tierheime in unserer Gegend und die öffentliche Hand finanziell und personell. Wir nehmen dafür keine Gebühr, schimpfen nicht und klagen niemanden an, dersich schweren Herzens von seiner Mieze verabschieden muss weil Geld und Zeit nicht mehr reichen, jemand verstorben ist oder ins Heim musste, die eigene Gesundheit nicht mehr mitmacht oder die aufwändige Pflege eines besonderen Tierchens einen einfach überfordert. Auch diese Katzen sind in zwei Drittel der Fälle in schlechtem Gesundheitszustand. Viele, viele Tierarztbesuche, 200 – 300mal im Jahr, oft zeit- und nervenaufreibend, fallen für uns in unserer Freizeit an um auch diese Miezen wieder zu „rehabilitieren“. Schlimm ist es, wenn wir trotz allem von einer unheilbar schwerkranken Katze Abschied nehmen müssen. Bisher konnten wir aber rund 98% unserer Pelznasen helfen – eine stolze Bilanz, die uns immer wieder Mut und Kraft zum Weitermachen gibt.
Toll, was unsere Ehrenamtler leisten, toll dieses bürgerschaftliche Engagement. Aber wir brauchen endlich Hilfe der zuständigen Stellen! Es reicht nicht, öffentlich Tierschutzmissstände und mangelnde Sachkenntnis über Haustierhaltung in der Bevölkerung zu beklagen, wie jüngst in unserer Lokalzeitung. Man muss auch handeln und nicht Zuständigkeiten auf mildtätige Ehrenamtler schieben, die allein gelassen zwar bis zur Erschöpfung arbeiten aber nie nachhaltig eine Besserung erreichen können – denn immer neue Tierschutzkatzen (Fund- und Abgabetiere) strömen nach. Eine aktuelle Studie der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt und des Landwirtschaftsministeriums kommt klar zu dem Ergebnis, dass lediglich das immer neue Einfangen und Kastrieren von „Streunerkatzen“ durch Tierschutzvereine keinen dauerhaften Rückgang der Zahlen dieser verelendeten Haustiere bewirken kann. Die niedergelassene Tierärzteschaft in Koblenz und Umgebung unterstützt uns seit Jahren vorbildlich in jeder Weise – und dafür danken wir hier nochmals ganz herzlich im Namen unsere Schützlinge! Jedes Jahr haben wir als Verein aus eigenen Mitteln (das sind Spenden und Mitgliedsbeiträge!) Tierarztkosten in Höhe von ca. 20.000 € zu begleichen. Unsere Fundtiere müssen nachweislich öfter als Abgabetiere zum Tierarzt und verursachen pro Tier höhere Kosten, um 150,- € im Jahr durchschnittlich – wobei in Einzelfällen auch viel mehr an Behandlung nötig ist. Die Auswertung der Tierarztrechnungen unseres Vereins der letzten Jahre zeigt ein erschreckendes Ausmaß von Krankheit und Leid vor allem bei den Fundkatzen (über 40 verschiedene Diagnosen jährlich bei ca. 120 Fundtieren, schlimmer und deutlich häufiger als bei den Abgabetieren) – vermeidbares Leid wenn es endlich eine Katzenschutzverordnung gäbe. Denn in erster Linie sollte ein(e) verantwortungs- bewusste(r) Katzenhalter(in) dafür zuständig sein, dass ihr/sein Tier, wenn es freien Auslauf genießt, kastriert, mit Mikrochip gekennzeichnet und kostenlos beim Heimtierregister registriert ist – damit keine Katze mehr zum „Streuner“ werden muss. Sachkunde muss vermittelt werden, dafür müssen sich alle, nicht nur wir, engagieren!Mit besserer Kenntnis über Katzenhaltung, mehr Aufmerksamkeit und Pflege würde es überdies allen Hauskatzen besser gehen, und viele müssten dann auch nicht mehr abgegeben werden (Aussetzen oder Zurücklassen von Katzen bei Umzügen/Todesfällen ist übrigens Tierquälerei und eine Straftat – auch das ist nicht jedermann und jederfrau in unserer Gegend bekannt...)
Um all das, was hier aufgezählt wurde, täglich leisten zu können, sind wir auf tatkräftige Helfer angewiesen. Daher suchen wir immer tierliebe Personen, die sich als Pflegestelle engagieren wollen, bei Fangaktionen helfen, Tierarztfahrten übernehmen und und und.... Alle Infos dazu. mit den jeweiligen Ansprechpartnern, findet ihr hier auf unserer Homepage 
 
29. 03. 2021 Birgit Buchholz, Koblenzer Katzenhilfe e.V

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